Bankraub als saisonaler Trend?
13. März 2009Kurzfristige Phänomene finden in Brasilien immer wieder einen gesunden Nährboden. So huschten 2007 und 2008 verschiedene Nachrichten durch die brasilianische Presse, in denen vom roubo de cabelo (Haardiebstahl) gesprochen wurde. Auslegungen verschiedener evangelikaler Freikirchen erheben den natürlichen Kopfschmuck offenbar zum höchsten Gut, ein Verlust der Haarpracht kann mitunter fatale Auswirkungen auf die Psyche und das gesellschaftliche Ansehen haben… ein Umstand, den eher weniger freundschaftlich gesinnte Zeitgenossen einige Male ausnutzten.
Auch wenn sich das haarige Verbrechen mittlerweile aus dem Mittelpunkt des nationalen Interesses verabschiedet hat: Trends kommen und gehen in Brasilien auch im Sektor der Kriminalität. Aktuell scheinen Banküberfälle in Mode zu sein. Jedenfalls häufen sich die Nachrichten über bewaffnete und in Gruppen anrückende Räuber, deren Motivation Abhebungen der etwas anderen Art sind. Eine genaue Lokalisation der Vorfälle ist nicht zu verzeichnen, in São Paulo sind alle Stadtteile gleichermaßen betroffen. Am 13. März 2009 ereignete sich sogar ein Vorfall in der sonst eher ruhigen Avenida Vital Brasil, nahe des Universitätsgeländes der Metropole.
Besonders im Jahr der bebenden Finanzkrise lassen sich natürlich schnell allerlei Zusammenhänge zwischen der auch in Brasilien spürbaren desaceleração (Abbremsung) der Wirtschaft und besagten Banküberfällen herstellen. Statistische Erhebungen lieferten erst kürzlich ernüchternde Gewissheit: Allein in der Industrie von São Paulo verloren zweihunderttausend Arbeiter ihre Stelle, obwohl die crise financeira zuvor mit aller Macht und kollektiv als störendes Schreckgespenst verjagt werden sollte.
Neben den angsteinflößenden Besuchern in brasilianischen Bankfilialen stieg auch die Medienpräsenz von Überfällen auf condomínios. Hierbei handelt es sich um mit Wachmann, automatischer Garage und gelegentlich Elektrozäunen gesicherte Wohnkomplexe, in denen Brasilianer eigentlich möglichst sicher ihre abendliche novela (Seifenoper) vor dem Fernseher genießen wollen. Dummerweise haben die pompösen Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Wochen allerdings einige Banden auf den Plan gerufen, die kurzerhand alle Barrikaden überwinden konnten und anwesende Bewohner in verschiedenen Fällen zu Geiseln machten, um wertvolle Besitztümer auszusortieren.
Und nicht selten macht die anrückende Polizei dem Großteil der bandidos schnell einen Strich durch die Rechnung. Was zurückbleibt, ist (wie auch im Fall der meisten Banküberfälle) ein geplatzter Plan, öffentliche Aufregung… und noch eine Schlagzeile mehr, die einen aufschwellenden Trend nährt, bis er letztendlich übersprudelt oder in sich zusammenfällt.
13. März 2009 um 17:08
Finanzkrise in Brasilien: Bankraub als saisonaler Trend?…
In den letzten Wochen häufigen sich die Nachrichten über Banküberfalle in Brasilien. Ist dieser T…