Brasilianische Unlust in Sachen Finanzkrise
14. Oktober 2008Was macht man nur, wenn ein ungeladener Gast in die heimische Wirtschaft platzt und eine eigentlich angeheiterte Feier in höchstem Maße ruiniert? Brasilien sieht sich mit gerade diesem Problem konfrontiert. Spekulierten Analysten vor einigen Monaten noch über ein mögliches Aufkommen der doença holandesa (holländische Krankheit), nachdem vor der Atlantikküste des Landes beachtliche Ölreserven entdeckt wurden, so stehen nun ganz andere Themen auf dem Programm.
Als wunder Punkt gilt dabei immer wieder der brasilianische real, also die “hauseigene” Währung. Viele Investoren hatten in den letzten Jahren bevorzugt Geld in Werte der bolsa de valores (Aktienmarkt) gepumpt, um von starken Wachstumsraten zu profitieren. Kommt es zu einem internationalen Eklat mit einhergehender Panik, werden in jeder Krise sichere Häfen gesucht und entsprechend angelegte Gelder zu teilweise ungünstigen Konditionen wieder abgezogen. Im Fall von Brasilien flossen allein im August 2008 mehr als 2 Milliarden amerikanische Dollar zurück in ihre jeweilige Heimat.
Indirekt bewirken investidores estrangeiros auf diese Weise auch eine Abwertung der brasilianischen Währung, der man auf Regierungsseite mit drastischen Maßnahmen entgegenzuwirken versucht. Die banco central veranstaltet diesbezüglich sogenannte leilões (Versteigerungen) US-amerikanischer Währungsreserven, um den Markt günstig zu sättigen und den beispielsweise im September und Oktober 2008 steil angestiegenen Kurs wenigstens etwas einzudämmen. Ganz ohne Bedingungen kommen die jeweiligen Auktionen in Brasilien nicht immer daher: Am 14. Oktober 2008 kündigte man zwar an, am folgenden Tag eine Milliarde US-Dollar zu verkaufen. Ein Rückkauf des Betrags wird jedoch bereits im Vorfeld exakt 90 Tage nach dem genannten Termin zugesichert.
Natürlich ist man sich der Konsequenzen bewusst, die der economia auch in Brasilien trotz eigentlich recht zufriedenstellender Wirtschaftsdaten drohen. Aufgrund der industriellen Struktur werden bitter nötige Importe in einigen Sektoren schlichtweg unerschwinglich. Von einem pacote de resgate (Rettungspaket) in der Manier bereits vorgepreschter Staaten soll bis jetzt allerdings noch nicht die Rede sein, obwohl selbst der Nachbarstaat Argentinien mit einer derartigen Maßnahme liebäugelt.
14. Oktober 2008 um 20:56
Brasilien: Keine Lust auf Finanzkrise…
Erläutert die Enttäuschung Brasiliens, den angebrochenen Aufschwung des Landes im internationalen …