Brasilien: Streik in der Bankenkrise
13. Oktober 2008Während sich Medien, Politiker und natürlich Bürger in aller Welt um die Entwicklung der Finanzmärkte sorgen, findet in vielen Bundesstaaten Brasiliens ganz nebenbei ein anderes Großereignis statt: Beim Streik der bancários protestieren nicht etwa beleidigte Fondsmanager gegen eine unzufriedenstellende Wirtschaftslage. Vielmehr übernehmen Bankangestellte das Ruder, um einzelne Filialen mit riesigen Aufklebern zu versehen, die auf eingetretene Arbeitsniederlegungen hinweisen.
Die entsprechende Interessengruppe wird in Brasilien durch die Contraf (Confederação Nacional dos Trabalhadores do Ramo Financeiro), also den nationalen Zusammenschluss im Finanzsektor arbeitender Angestellter repräsentiert. Fast ein Drittel der etwa 18000 Bankfilialen im Land gilt bereits als lahmgelegt. Auch die gewaltigen Zahlen, mit denen im Kontext angekündigter Rettungspakete mittlerweile jongliert wird, sorgen bei einigen Arbeitnehmern für Unmut. So wünscht man sich im Kampf um bessere Konditionen ebenfalls etwas mehr liquidez, da dieses Wort zur Beschreibung der großinstitutionellen Liquidität verdächtig oft durch die Schlagzeilen zu huschen scheint.
Auf der Avenida Paulista in São Paulo fährt ein Wagen mit auf dem Dach installierten Lautsprechern unermüdlich von einem Ende zum anderen. Verkündete Nachrichten liefern Passanten eine Erklärung für die teils geschlossenen Banken mitten im wichtigen Finanzzentrum der gewaltigen Metropole. Zu den Hauptforderungen gehört ein aumento real (Erhöhung der Reallöhne) von 5% sowie eine Anpassung des piso salarial (Mindestlohn für professionelle Tätigkeiten). Darüber hinaus ist es in Brasilien üblich, seinen Angestellten einen gewissen Betrag zur leiblichen Versorgung auszuzahlen, der als vale refeição (Essensgutschein) in teilnehmenden Restaurants und Bars von einer zugehörigen Chipkarte abgebucht werden kann. In diesem Punkt strebt man eine Erhöhung auf R$ 17,50 pro Tag an.
Eine weitaus komplexere Forderung stellt hingegen eine Überarbeitung der PLR (Participação nos Lucros e Resultados) dar. Hierbei geht es um die Beteiligung der Angestellten am finanziellen Erfolg eines Unternehmens. Fast ironisch erscheint da die Tatsache, dass vielen Banken in anderen Ländern zeitgleich mit gigantischen Rettungspaketen unter die Arme gegriffen wird.

13. Oktober 2008 um 15:24
Brasilien: Streik in der Bankenkrise…
Geht auf den aktuellen Streik brasilianischer Bankangesteller ein und erläutert am Rande sprachlich…