Brasilien und das leidige Thema Länderrisikoprämie
23. Oktober 2008Dass der US-amerikanische Dollar gerade auf dem Vormarsch ist, kommt europäischen Weltenbummlern mit kleinem Budget womöglich äußerst ungelegen. So sind auch die Vorhaben einiger deutscher Touristen verpufft, ins Schnäppchenparadies auf der anderen Seite des großen Teichs zu reisen, um dort ihre wertvollen Euros gegen Waren einzutauschen. Brasilianische Gefilde weisen allerdings eine zweifach bevorteilende Wertverteilung auf: Ein starker Anstieg des Dollars hat die cotação (Notierung) der europäischen Währung fast ruckartig mitgerissen.
Und damit nicht genug. Kritische Momente in der globalen oder nationalen Wirtschaft lassen in Brasilien nicht selten die taxa de risco-país oder kurz das risco-país in die Höhe schnellen. Der deutsche Begriff Länderrisikoprämie steht dabei keinesfalls für eine angenehme Größe. Man beschreibt hiermit indirekt, inwiefern in einem Land getätigte Investitionen Sicherheit aufweisen.
Natürlich muss diesbezüglich die Frage gestellt werden, wer für die Bildung eines derartigen Indikators verantwortlich ist. Es handelt sich um ausländische Investmentbanken, die den investidores Aufschlüsse über die Sicherheit bestimmter Anlageformen liefern wollen. Generell geht es darum, eine als sicher betrachtete Wertanlage zu finden und den in Form von Risiken bezahlten ágio (Aufpreis) repräsentativ festzuhalten.
Als Vergleichsgröße werden oft nordamerikanische Staatsanleihen herangezogen. Anleger im Ausland erhalten also mit einem unvorteilhaften risco-país ein Signal, Gelder je nach Risikoprofil des Investors lieber in sichere Häfen fließen zu lassen. Im brasilianischen Fall bewegte sich der indicador EMBI+ (Emerging Markets Bond Index Plus) im Oktober 2007 bereits in tiefen Regionen um 170 Punkte, am 22. Oktober 2008 ging es in Richtung Norden auf zeitweise über 650 Basispunkte.
Was genau bedeuten diese Zahlen? Nun, jeweils 100 Einheiten stehen für eine sobretaxa (Aufschlag) von einem Prozent, in letzterem Moment also bereits 6,5%, bezogen auf erwähnte Staatsanleihen der USA. In Brasilien Angelegte Summen müssten also um genau diesen Prozentsatz an Wert zulegen, um das eingegangene Risiko zu rechtfertigen.
Natürlich ist man mit diesen Ständen noch weit entfernt von 2002 erreichtern Spitzenwerten um 2400 Basispunkte, also 24%. Letztendlich spiegelt die metodologia (Methodik) der Indikatoren auch den Zwiespalt zwischen dem in Brasilien noch immer deutlich wahrgenommenen Aufschwung und der im Ausland vorgenommener Wertung verschiedener Zahlen zur economia wider. Dem brasilianischen real könnte das entzogene Vertrauen jedenfalls äußerst unwillkommene Pflöcke zwischen die Beine werfen.
23. Oktober 2008 um 3:28
Brasilien und das leidige Thema Länderrisikoprämie…
Geht auf die Schwankungen der Länderrisikoprämie in Brasilien ein und erklärt am Rande sprachlich…